Schlagwörter

, , , , , ,

Im Januar 2015 hat Nikon ein neues Teleobjektiv mit 300 mm Brennweite angekündigt: Das Nikon 300 mm 4.0 PF ED

Das geringe Gewicht von gut 750 Gramm macht das Objektiv für mich interessant: Beim Wandern habe ich gerne die Kamera mit angesetztem Teleobjektiv griffbereit. Wenn sich  Adler oder Gämse zeigen, bietet sich nur eine kurze Gelegenheit für ein Foto.

Verglichen mit dem 70-200 mm f/2.8 Objektiv bietet Nikon nun mehr Brennweite bei halbem Gewicht. Seit Januar wollte ich wissen, ob dieser Spagat gut gehen kann. Im September wurde diese Frage endlich beantwortet. Zum Fotoschool Weekend-Workshop im Schweizer Nationalpark hat Christoph Weymann das Objektiv mitgebracht. Für mich die Gelegenheit, das 300 mm Tele auf Herz und Nieren zu testen.

Der erste Eindruck
Das Objektiv ist kompakt und leicht: Der Tubus misst knapp 15 cm. Der Filter-Durchmesser von 77 mm erlaubt mir die Verwendung meiner vorhandenen Filter.

Detail: Stativkragen
Das Objektiv kommt mit einem abnehmbaren Stativkragen. Wie bei Objektiven mit langer Brennweite üblich, lässt sich damit das Objektiv auf einem Stativ befestigen. Der Stativkragen scheint für den Alltagsbetrieb nicht zwingend notwendig. Als Alltags- und Reise-Objektiv verwende ich das 24-120 mm f/4.0. Der Allrounder kommt bei gleichem Gewicht ohne das Extra-Schraubgewinde.

Handhabung
Das Objektiv liegt gut in der Hand. Etwas gewöhnungs­bedürftig – aber sicher hilfreich – sind die schnellen Schwenks, die erst durch die kurze Bauform möglich gemacht werden. Aufgrund der langen Brennweite sind beim Arbeiten aus der freien Hand kurze Verschlusszeiten erforderlich. Die Kombination aus geringem Gewicht, langer Brennweite und kurzer Bauform erfordert etwas Zeit zur Eingewöhnung. Bei grösserem Gewicht hilft in gewisser Hinsicht die Massenträgheit bei der Stabilisierung. Die leichte Bauweise erfordert sozusagen ein besseres Zielen. Trotz VR bin ich anfangs immer wieder bei Verschlusszeiten von 1/500s oder kürzer gelandet.

Mit etwas Eingewöhnung können auch längere Verschlusszeiten verwendet werden. Dazu orientiert man sich etwa an der Haltung von „Scharfschützen“: Mit sicherem Stand, die Arme stabil am Körper aufgestützt, lassen sich auch längere Verschlusszeiten von Hand bewerkstelligen.

Arbeiten mit Filtern
Das 77 mm Gewinde passt wunderbar zu meinen vorhanden Filtern. Beim Aufschrauben des Polfilters kommt trotz aller Begeisterung Ernüchterung auf: Der äussere Objektiv-Tubus ist etwas dicker als gewohnt. Daher lassen sich Filter nur mühsam aufschrauben. Gut ist die mitgelieferte Sonnenblende per Bajonett befestigt …

Abbildungsleistung
Wenn ich mein Teleobjektiv auf ein Motiv richte, erwarte ich ein scharfes Foto. Bei offener Blende sollte der Hintergrund unscharf werden, so dass das Motiv betont wird. In der Kombination von 300 mm mit Blende 4.0 klappt das sehr gut.

Beim Hinein-Zoomen in das Bild werden die Details klar dargestellt:
BlumeAbbildung 1: 1/500 sec, f/8, ISO 400

 

 

 

 

Biene

Abbildung 2: Detailausschnitt in voller Vergrösserung

 

 

BrueckeAbbildung 3: 1/800s, f5.6, ISO 400

 
Der Detail-Ausschnitt aus der Bildmitte zeigt, dass jede Faser im Holz präzise dargestellt wird:
Bruecke_Ausschnitt

 

 

 

 

Zum Bildrand hin werden Objekte oft etwas unscharf. Die Hersteller dokumentieren das Verhalten in sogenannten „MTF Diagrammen“. Wichtiger als eine blaue oder rote Linie in einem Hersteller-Diagramm sind mir die eigenen Bilder. Die Detail-Vergrösserung aus der linken unteren Ecke zeigt sehr schön die Bruchstellen im Holz:
Bruecke_Ausschnitt2

 

 

 

 

Lichtstärke
Neben dem 300 mm f/2.8 oder dem 400 mm f/2.8 scheint die Blende 4 des neuen Objektivs eher lichtschwach. In der praktischen Arbeit darf man bei den aktuellen Kameras von Nikon ISO 1600 oder mehr verwenden, ohne dass das Bild total verrauscht. Der Schritt von Blende 2.8 zu Blende 4 entspricht dem Wechsel von ISO 100 zu ISO 200.

Fazit
Für mich ist der Kompromiss aus Lichtstärke und Gewicht gelungen: Das handliche Objektiv hat Platz im Rucksack und lässt sich auch auf langen Wanderung gut mitnehmen. Der grosse Bruder mit Blende 2.8 wird bei einem Gewicht von 2.9 kg und der deutlich grösseren Bauform schneller zur Belastung. Nikon hat mit dem 300 mm f/4.0 ein tolles Objektiv mit interessantem Preis auf den Markt gebracht. Ich hab’s bestellt.